Marcel Krebs
Lebensqualität in der Suchthilfe und der Suchtprävention
Der Beitrag entfaltet Lebensqualität als interdisziplinären Bezugsrahmen für die Suchthilfe und -prävention. Es wird gezeigt, dass Suchtprobleme nicht allein über klinische Diagnosen oder konsumbezogene Erfolgskriterien verstanden werden können, sondern immer auch in ihrer sozialen Dimension zu betrachten sind. Vor dem Hintergrund dieses bio-psycho-sozialen Verständnisses ergänzt Lebensqualität den Blick auf Sucht um einen normativen Orientierungsrahmen, der objektive Verwirklichungschancen und subjektive Wahrnehmung verbindet. Damit rückt Lebensqualität konsumbezogene Ziele in den Zusammenhang von Lebensführung, Alltag und Teilhabe. Abschliessend wird gezeigt, wie diese Perspektive im doppelten Fokus Sozialer Arbeit fruchtbar gemacht werden kann.
Fachgespräch mit Tanya Mezzera, Rosanna Kläy-Maurer, und Simon Süsstrunk
Forschung und Praxis im Dialog – Lebensqualität als geeigneter Kompass?
Welche Rolle spielt die Lebensqualität in der Suchtberatung und in der Prävention? Wie lässt sie sich messen und in der Suchtarbeit konkret anwenden? Im Nachgang der Tagung der FHNW vom 9. März 2026 zum Thema «Wege zur Verbesserung der Lebensqualität» wurden zwei Fachgespräche geführt; dieses bringt Praxis und Forschung in den Austausch. Dabei ist man sich einig, dass Lebensqualität dort praxisnah wird, wo gemeinsam mit den Klient:innen bestimmt wird, was für sie Lebensqualität ausmacht.
Raphael Calzaferri
Durch ein gutes Fallverständnis zu einer guten Interventionsplanung
Was hilft Fachpersonen, komplexe Lebenslagen so zu verstehen, dass daraus passende Unterstützung entsteht? Der Beitrag zeigt, wie das Verfahren der Systemmodellierung in der Suchtarbeit Fallverstehen vertieft, individuelle und umweltbezogene Wirkzusammenhänge sichtbar macht und kollaborative Arbeitsweisen stärkt. Verstehen ist dabei mehr als Analyse: Als Wirkfaktor kann es Veränderungsprozesse anstossen und zur Förderung subjektiver wie objektiver Lebensqualität beitragen.
Fachgespräch mit Florian Benecke, Morris Vock und Simon Plüss
«Aushalten ist professionelle Beziehungsarbeit»
Wann ist Eingreifen nötig, wann ist Aushalten professionell? Das zweite Fachgespräch zeigt, dass Lebensqualität in der Suchtarbeit vor allem dort entsteht, wo Menschen in ihrer eigenen Wirklichkeit ernst genommen werden. Nicht Abstinenz oder Standardlösungen stehen im Zentrum, sondern Stabilisierung, Aushandlung und tragfähige Beziehungen. Gleichzeitig betonen die Fachpersonen, dass die Lebensqualität der Klientel nicht nur in der Beziehungsgestaltung entsteht, sondern auch von den realen Verwirklichungschancen abhängt, also davon, welche Ressourcen, Unterstützungsangebote und gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten überhaupt vorhanden sind.
Philip Bruggmann
Lebensqualität als suchtmedizinischer Kompass
Lebensqualität hat sich in der Suchtmedizin zu einem zentralen Outcome entwickelt. Am Beispiel der Opioid-Agonisten-Therapie (OAT) zeigt sich, dass medizinische Wirksamkeit und subjektives Erleben eng miteinander verknüpft sind. Der Beitrag diskutiert Lebensqualität als klinisch relevante Grösse, beleuchtet Unterschiede zwischen OAT-Substanzen und zeigt, weshalb ihre Berücksichtigung eine zentrale Aufgabe der ärztlichen Praxis darstellt.
Zur Leseprobe
Linda Völtzer, Susanne Busch
Gesunde Quartiere 2.0: Gesundheit und Lebensqualität vor Ort fördern und gestalten
Gesundheit und Lebensqualität entstehen nicht zufällig, sondern im Zusammenspiel individueller, sozialer und räumlicher Faktoren. Besonders in sozial benachteiligten Quartieren beeinflussen Belastungen, fehlende Ressourcen und alltägliche Lebensbedingungen, wie Menschen ihre Gesundheit wahrnehmen und welche Verhaltensweisen sie wählen. Das Projekt Gesunde Quartiere 2.0 untersucht diese Zusammenhänge kleinräumig und zeigt, wie Lebensqualität als Schlüsselgrösse für Gesundheitsförderung und Prävention genutzt werden kann.
Lydia Paiva Quintão
Integration von Suchtprävention im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM)
Viele Betriebe befassen sich erst bei einem konkreten Vorfall mit dem Thema Sucht. Doch der Ansatz der Früherkennung und Frühintervention (F+F) könnte dabei helfen, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und durch gezielte Massnahmen entgegenzuwirken. Dazu hat Sucht Schweiz mit finanzieller Unterstützung des Alkoholpräventionsfonds und Gesundheitsförderung Schweiz ein Projekt zum betrieblichen Gesundheitsmanagement lanciert. Dieses umfasst die Webseite «sucht-und-arbeitswelt.ch» und einen Leitfaden für Arbeitgeber:innen, Fachpersonen im Suchtbereich, im betrieblichen Gesundheitsmanagement und im HR.